Nachgefragt

Artikel aus dem Aquilonischer Herold Ausgabe Juno 532

 

Interview unseres Enthüllungs- und Gesellschafts Kolumnisten, Schreiber Lois, mit Albrecht Walweger, Kammerdiener der Baronin Mechthilde zu Albingen, Freifrau von Müller-Thurgau. 24. Mai 532

 

SL: Lieber Albrecht, vielen Dank, dass ihr euch die Zeit nehmt, mir einige Fragen zu beantworten, die unsere Leser brennend interessieren.

 

AW: Selbstverständlich. Es ist mir eine Ehre und ein Vergnügen.

 

SL: Als ständiger Begleiter der neuen Baronin zu Albingen seid ihr sicher bestens informiert über die Vorbereitungen zur großen Friedensfeier ihrer Gnaden, Gräfin Elydia von Weltengrund. Könnt ihr unseren Lesern ein paar der Programmpunkte verraten? 

 

AW: Die hohen Herrschaften dürfen sich natürlich auf alle Lustbarkeiten freuen, die man von einer Hofhaltung erwartet. Erlesene Speisen, Musik und Tanz, gute Gespräche in den Ritter- und Damenrunden. Jagd, Spiel und Spaß, lehrreiche Seminare, ein Spezialitätenwettbewerb. Um nur einige der Attraktionen zu nennen. Auch für das Gefolge sind amüsante Beschäftigungen geplant. Allen voran ein Bogenschützenturnier, die Knappen- und die Zofen-Olympiade und vieles mehr. Außerdem stehen eine Taverne mit Barden, ein Spielzimmer, eine Bibliothek und eine Kapelle jedem Interessierten offen. Wir sind ebenfalls in Verhandlungen mit einem Künstler, der in Windeseile wunderschöne Aquarellbilder der Anwesenden malen kann.

 

SL: Das klingt wirklich vielversprechend. Wieso wurde Burg Dunraven in Albingen als Veranstaltungsort ausgewählt?

 

AW: Die Burg Dunraven liegt in direkter Nähe zum Raven-Staudamm, der sich im Wiederaufbau befindet. Hier soll im Rahmen der Feierlichkeiten ein Denkmal für die heroische Tat von Baron Heribert von Albingen eingeweiht werden. Zudem ist die Umgebung reich an Wild. Darum ist die Burg als Jagdschloss sehr beliebt. Bei gutem Wetter wird auch eine Jagd stattfinden. 

 

SL: Meint ihr nicht, dass die Ehre, die Friedensfeier auszurichten, auf die neue wohlhabende Vasallin gefallen ist, um die Kassen der Grafschaft zu schonen?

 

AW: Und wenn dem so wäre? Keiner von uns sollte sich anmaßen, über die Beweggründe ihrer Gnaden zu spekulieren. 

 

SL: Wie ich sehe, entsteht gerade ein Gästehaus. Könnt ihr unseren Lesern etwas dazu erzählen? Hat das etwas mit dem Schlossgespenst zu tun?

 

AW: Das sind alles nur Ammenmärchen. Etwas derartiges ist uns dort noch nie begegnet.

 

Die Burgküche und die Anzahl an Schlafgelegenheiten waren einfach dem erwarteten Gästeaufkommen nicht gewachsen. Daher wurde ein Neubau begonnen mit Speisesaal, größerer Küche, Taverne und standesgemäßen Kemenaten, alle beheizbar und viele mit fließendem Wasser.

 

SL: So scheint einem reibungslosen Ablauf nichts im Wege zu stehen. Die Gäste dürfen sich auf frohe Tage in allem Komfort freuen. Nun möchten unsere Leser noch etwas über euch und eure Herrschaft erfahren. Wie kam es dazu, dass ihr die Vertrauensposition als Kammerdiener erhalten habt, wo ihr doch, soweit ich weiß, zuvor Sattlergeselle wart?

 

AW: Nun seht Ihr, seit vielen Generationen genießt meine Familie das Privileg, dem jeweiligen Baron oder der Baronin zu Albingen den Kammerdiener oder die Zofe stellen zu dürfen.

 

Der edle Baron Heribert von und zu Albingen – möge Bahamut seiner ruhmreichen Taten eingedenk bleiben und seiner Seele Gnade gewähren – nahm einst meinen Vater in seine Dienste auf und ich darf wohl sagen, dass es mich sehr erfreute, als Baronin Mechthilde zu Albingen entschied, mit dieser alten Tradition nicht zu brechen. Ungeachtet dessen, dass mir keine Schwestern beschieden waren und sie sich folglich mit einem Kammerdiener statt einer Zofe begnügen musste.

 

Und, sofern Ihr mir diese freimütige Bemerkung nachsehen wollt: Das gesamte Gesinde, wie auch die übrige Dienerschaft der Burg, wissen die Besonnenheit und den Respekt, welchen die neue Baronin den altehrwürdigen Traditionen Albingens entgegenbringt, in hohem Maße zu würdigen.

 

SL: Die Baronie Albingen wurde vor nunmehr gut zwei Jahren der Freifrau Mechthilde von Müller-Thurgau verliehen. Wie beurteilt ihr aus eurer Sicht die damit einhergehenden Veränderungen?

 

AW: Man könnte wohl meinen, ein Zeitraum von kaum zwei Jahren sei allzu kurz bemessen, um die Geschicke einer ganzen Baronie zu wenden – zumal einer, durch welche Heerscharen der Untoten gezogen sind und deren Ländereien zu großen Teilen verwüstet oder von den Wassern verschlungen wurden.

 

Und doch kann ich mit Überzeugung sagen, dass die hochverehrte Baronin Mechthilde in dieser kurzen Zeit Erstaunliches vollbracht hat. Der überwiegende Teil der Kriegsschäden wurde unter ihrer Weisung behoben oder, wo eine Wiederherstellung nicht sogleich möglich war, aus ihrer eigenen Schatulle großzügig ersetzt.

 

Auch die Überschwemmungen, welche weite Teile des Landes heimsuchten, konnten durch neuartige Gerätschaften, die Ihre Hochgeboren in ihrer Heimat eigens anfertigen ließ, zu großen Teilen trockengelegt werden. Zudem ließ sie Saatgut für wasserbeständige Pflanzen importieren, die auch in den immer noch versumpften Gebieten des Albatals wachsen. So ist es dieses Jahr sogar möglich, beinahe eine volle Ernte einzufahren und die gesamte Bevölkerung zu versorgen, bevor die Kornspeicherreserven zur Neige gehen. Die Baronie ist daher heute imstande, mit gutem Gewissen eine angemessene Hofhaltung zu unterhalten, anstatt im Winter von einer allgemeinen Hungersnot heimgesucht zu werden, wie viele schon während dem Krieg befürchtet hatten. Unter den unzähligen Höfen, die auf diese Weise gerettet wurden, befindet sich im Übrigen auch der meiner Familie.

 

Ich bin überzeugt, dass die Menschen Albingens – und insbesondere die Bauernschaft – sehr wohl erkennen, dass die neue Baronin das ihr anvertraute Volk nicht bloß als Pflichtige zu Frondiensten betrachtet, sondern als das tragende Fundament ihres Landes. Und diese Erkenntnis gründet sich nicht allein auf ihre Worte, sondern vor allem auf ihre Taten.

 

SL: Vielen Dank für das aufschlussreiche Gespräch.